SAP S4/HANA - Die Zukunft heißt „Embedded“

Die Logistik-Suite im SAP System hat bereits eine lange Historie. Schon im R/2 sind bis zum Anfang der 90er Jahre die ersten Logistikprozesse im ERP abgebildet worden, die dann im R/3 durch Einführung von Warehouse Management (WM) zusammen mit dem Transport Management (TRM) in eigenen Modulen als Teil des ERP entwickelt wurden. Damit war die erste „embedded“ Lagerverwaltung und -steuerung entstanden. Bis heute in das Zeitalter des S4/HANA wird das WM als „embedded“ Modul weitergepflegt, allerdings nur mehr bis Ende 2025, dann endet der offizielle Support durch SAP. Hier gibt es allerdings inzwischen auch ein abgegrenzten „Workaround“ mit dem „Stock Room Management“, was über 2025 genutzt werden kann.

Einen neuen Weg schritt SAP ein, als das Unternehmen parallel zu dem ERP ECC 6.0 das Extended Warehouse Management (EWM) auf den Markt brachte und das System sogar als dezentrale Logistiklösung zur Verfügung stellte. Damit wurde es möglich, auch größere, performantere Anforderungen an die Logistiksoftware zu stellen, da keine Beeinträchtigungen durch Engpässe auf dem ERP mehr auftraten. Speziell für Automatikläger empfahl SAP sogar den Einsatz eines dezentralen EWM Systems, um so mit den Echtzeit-Steuerungen mit gleichmäßiger Latenzzeit zu kommunizieren.

Seit 2015 mit dem Ausrollen der neuen ERP-Produktlinie S4/HANA wurde das EWM, neben dem immer noch vorhandenen WM, in die Reihe der integrierten Module aufgenommen. Bis heute kann nun der Kunde entscheiden, ob das „Embedded EWM“ oder die dezentrale Variante besser für seine Bedürfnisse ist. Dafür spricht die komplette Integration in das ERP mit entsprechenden internen Schnittstellen. Ein weiterer Pluspunkt ist die Nutzung der integrierten Lösung ohne zusätzliche Lizenzkosten, vorausgesetzt es werden keine Automatiklager betrieben. Denn hier kommt ein neuer Aspekt zum Tragen: Mit dem „Embedded EWM“ können nunmehr kleine Automatiklager betrieben werden, allerdings dann mit einer entsprechenden Lizenz, die zusätzlich zum ERP erworben werden muss. Warum lohnt es sich trotzdem in Richtung einer dezentralen Lösung zu schauen? Die Vorteile liegen vor allem in der Flexibilität und der Sicherheit. Viele Kunden, die heute zwar noch mit ihrem ECC 6.0 zufrieden sind, jedoch aufgrund von Kundenanforderungen, mehr in komplexe Automatisierungen investieren müssen, erwerben mit einem dezentralen EWM 9.5 oder schon einem „decentralized EWM on S4/HANA“ ein großes Stück Flexibilität. Ohne gleich den großen ERP-Sprung machen zu müssen, kann so das EWM per Schnittstelle an das vorhandene System angeflanscht werden. Bei späteren ERP Updates oder Migration auf das S4/HANA bleibt die Logistik auf dem dezentralen System immer verfügbar und kann zu großen Teilen unabhängig operieren. So gelingt ein gefahrloserer Umstieg, als wenn alle Module gleichzeitig umziehen müssten.

Nun geht SAP den nächsten logischen und strategischen Schritt. Das Coding der integrierten und dezentralen Lösung unterscheidet sich bis dato darin, dass zwei Systeme parallel gepflegt werden müssen. Mit der EWM Version 9.5 kam das letzte reguläre Update des Extended Warehouse Managements auf den Markt. Mit dem neuen S4/HANA Release setzt das dezentrale SAP EWM in genau der gleichen Embedded-Version auf, das heißt es entsteht eine Kopie des S4/HANA mit EWM quasi ohne den ERP-Teil. Damit ist für die Zukunft ein identisches Coding gewährleistet und alle zukünftigen Features in Richtung Cloud-Anbindung etc. wirken sich auf beide Szenarien aus.

Ein weiteres Goody, das propagiert wird, ist ein Migrationstool von einem dezentralen SAP EWM 9.x auf das dezentrale SAP S4/HANA/EWM. Somit können bereits bestehende oder gerade in der Implementation befindliche dezentrale EWM Strukturen ohne größere Aufwände auf die Zukunft portiert werden.

Über den Autor

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Andreas Hampe ist seit mehreren Jahren Vice President SAP Solutions bei SSI SCHÄFER. Er leitet dort als Bereichsleiter für Logistik-Softwarelösungen das SAP-Team an mehreren Standorten. Seit über 30 Jahren ist Andreas Hampe in der Logistik mit dem Schwerpunkt Supply Chain Management im Vertrieb und der IT-Entwicklung tätig.

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