Was Kunden wünschen und Logistik leistet - MISUMI Kundeninterview

MISUMI Europa GmbH

Der globale Hersteller und führende Anbieter von mechanischen Komponenten und indirekten Materialien für den Sondermaschinenbau und die Montageautomation hat SSI SCHÄFER mit der Realisierung eines neuen, über 10.000 m² großen Logistikzentrums in Frankfurt am Main beauftragt – maßgeschneidert für die E-Commerce-Strategie des Unternehmens und die Wachstumsziele der Zukunft. Bis Anfang 2020 sollen in diesem ein Automatisches Shuttle-Lager, eine vierstöckige Regalanlage, über Fördertechnik angeschlossene ergonomische Arbeitsstationen sowie die Logistiksoftware WAMAS® vorrangig den Umschlag kundenindividuell angefertigter Make-to-Order (MTO)-Bauteile aus Asien nach dem Cross Docking Prinzip abwickeln. Sie werden sofort nach ihrem Eintreffen mit lagerhaltigen Standardbauteilen zu einem Auftrag konsolidiert und noch am selben Tag an die Kunden versendet.

Im nachfolgenden Interview berichtet Jörg Gonnermann (JG), General Manager Logistics Service Platform bei MISUMI, über die Herausforderungen im Business-to-Business E-Commerce Geschäft, einer Branche, welche - wie viele andere auch - nicht vor dem Druck verkürzter Innovationszyklen und hoher Marktanforderungen gefeit ist.

SSI SCHÄFER: Guten Morgen Herr Gonnermann. Zunächst vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview zum Thema E-Commerce nehmen.

JG: Guten Morgen. Sehr gerne, ich bin schon gespannt auf Ihre Fragen.

SSI SCHÄFER: Gut, dann lassen Sie uns gerne gleich beginnen. Herr Gonnermann, welche Rolle spielt E-Commerce für Ihr Unternehmen?

JG: Die unter dem Überbegriff Industrie 4.0 angestrebte Integration von Entwicklungs-, Produktions-, Bestell- und Lieferprozessen, insbesondere im Maschinenbau, verlangt von allen Beteiligten, die Digitalisierung und Vernetzung ihrer Geschäftsprozesse voranzutreiben. Insofern ist E-Commerce, in all seinen Ausprägungen, ein integraler Bestandteil unserer Strategie und unabdingbar, um im Markt bestehen zu können.

SSI SCHÄFER: Demnach ist der E-Commerce Ihrer Meinung nach auch eine wesentliche Marktanforderung in der Industrie? Welches Geschäftsmodell verfolgen Sie dabei?

JG: Richtig.

Das MISUMI-Konzept steht auf drei Säulen: Als Hersteller von Maschinenbaukomponenten legen wir einen besonderen Fokus auf konfigurierbare Bauteile ab einer Losgröße eins, vornehmlich für den Sondermaschinenbau. Zudem sind wir Händler und Lieferant für eigene und zugekaufte Produkte (ab Fertigung oder Lager) mit Lieferzeiten von ein bis maximal fünf Tagen. Und zu guter Letzt sind wir auch E-Commerce Plattform Anbieter, der seine Kunden über alle Kontaktphasen hinweg unterstützt. Dies beginnt im Ideen- und Designprozess, in dem MISUMI eine Vielzahl von CAD (Anm. Redaktion: rechnerunterstützte Konstruktion und Arbeitsplanung) Formaten und weitere, digitale Designhilfen anbietet. Wir unterstützen unsere Kunden zudem mit der digitalen Abwicklung des Bestellprozesses, egal, ob im Onlineshop oder bei kundenspezifischen Punchout-Lösungen. MISUMI stellt dabei den Austausch von Bestell- und Lieferdaten über EDI-Anbindungen bereit. Nach der Bestellung können die Lieferungen online verfolgt werden, bis sie final beim Kunden eintreffen.

SSI SCHÄFER: Die Digitalisierung und das Thema E-Commerce sind seit jeher einer gewissen Dynamik ausgeliefert. Wie nehmen Sie die Entwicklung dieses Vertriebskanals wahr und vor welche Herausforderungen stellt dies Unternehmen wie MISUMI?

JG: Die Verschiebung weg von klassischen, telefonischen, papier- oder faxgestützten Prozessen schreitet zügig voran. MISUMI hat die „Digital Ratio“, also den Anteil der geschäftlichen Transaktionen, die über elektronische Kanäle laufen, innerhalb der letzten Jahre auf über 70% gesteigert. Dabei gibt es Standards, die ein Marktteilnehmer sicher beherrschen muss. Zudem wird die Individualisierung von Produkten oder Dienstleistungen immer mehr zu einem entscheidenden Faktor im Markt. Lieferanten müssen in der Lage sein, sich schnell auf die geänderten Anforderungen ihrer Kunden einzustellen.

SSI SCHÄFER: Das sind sehr hohe Marktanforderungen. Was denken Sie, ist essentiell, um im E-Commerce Fuß zu fassen und erfolgreich zu bestehen?

JG: Wichtig ist: ‘Get the basics right first!‘ - Daten, Prozesse und die Organisation müssen heutzutage auf die Digitalisierung ausgerichtet sein. Daneben sind robuste, flexible und offene Systemarchitekturen, die häufig nur in der „Cloud“ verfügbar sind, unabdingbar. Ein weiterer Schlüssel ist die Produktdatenqualität zur Erstellung von gutem, relevantem Content aber auch zur Übermittlung des „digitalen Zwillings“.

SSI SCHÄFER: Gibt es neben der Digitalisierung weitere, elementare Erfolgsfaktoren im E-Commerce?

JG: Ja, durchaus. Zum einen das Wissen über die bestehenden und zum anderen die Ansprache potentieller, neuer Kunden und deren Bedürfnisse, sind Schlüssel zum Erfolg. Über ein Voice of Customer Programm erhält MISUMI dieses spezifische Kundenwissen und stellt so sicher, innovative und einfache Lösungen anbieten zu können. Wichtig ist die schnelle (agile) Umsetzung solcher Maßnahmen, um im Markt positiv wahrgenommen zu werden.

SSI SCHÄFER: Herr Gonnermann, wohin geht die Reise im E-Commerce?

JG: Die Integration von Lieferanten wie MISUMI in die Liefer- und auch in die Wertschöpfungskette wird zunehmen. Um Produkte und Dienstleistungen punktgenau zu liefern, muss eine solche, digitale Integration zukünftig zum Standard werden. Es wird nicht mehr reichen, nur am Markt präsent zu sein. Vielmehr sind Unternehmen gefordert, neue Inhalte und Angebote kundenspezifisch zu entwickeln und umzusetzen, damit man sich vom Wettbewerb abheben kann.

SSI SCHÄFER: Ein spannendes Thema! Kommen wir zur E-Commerce-Logistik: Was sind Ihrer Meinung nach die Top drei Dos & Don‘ts?

JG: Must do: Kundenspezifische Services sowie channel-übergreifende und schnelle Abwicklung der Bestellungen. Zu den Don’ts zählen weiterhin die Nicht-Verfügbarkeit von Waren, die Abweichung von angezeigten Lieferzeiten oder gar die Auslieferung falscher Produkte.

SSI SCHÄFER: Das neue Frankfurter MISUMI Distributionszentrum hat eine Kapazität von rund 450.000 Artikeln auf 10.000m² - was waren die besonderen Anforderungen an dieses Logistikzentrum?

JG: Von einem E-Commerce-Anbieter erwarten die Kunden Verfügbarkeit der angebotenen Produkte und eine kurze Lieferzeit. Je höher der Lagerbestand, desto kürzer wird die durchschnittliche Lieferzeit. Produkte, die sich im Lager in Frankfurt befinden, können wir unseren Kunden in Europa innerhalb eines Tages liefern. Neben lagerhaltigen Produkten, also Standardbauteilen aus Eigen- und Fremdproduktion, durchlaufen auch unsere Make-to-Order (MTO)-Bauteile das Logistikzentrum. Diese werden zurzeit vornehmlich in Japan, China und Vietnam hergestellt. Für den Kunden sollen die verschiedenen Beschaffungskanäle jedoch keine Rolle spielen. Sämtliche Waren, ungeachtet ihrer Herkunft, werden daher im Lager in Frankfurt zu kundenspezifischen Sendungen konsolidiert.

SSI SCHÄFER: Sicherlich hat auch das Thema Automatisierung bei der Planung Ihres Logistikkonzepts eine Rolle gespielt. Wie stehen Sie zum Thema Automationsgrad (manuelle, semi- oder vollautomatische Prozesse) in der E-Commerce-Logistik? Ist Automation ein Muss?

JG: Die Innovationszyklen im Maschinenbau werden sich weiter verkürzen. Unsere Kunden haben für die Entwicklung ihrer Produkte dementsprechend immer weniger Zeit. Daher ist unser Motto: ‚It’s all about time.‘ Bei MISUMI verlangt der hohe Anteil des Cross Dock Geschäftes (>50%) einen ganz eigenen Ablauf. Für den Umschlag der MTO-Bauteile verfahren wir genau nach diesem Prinzip: angelieferte Produkte werden gleich nach dem Eintreffen in einen Konsolidierungsbereich gebracht. Hier werden sie gemeinsam mit Artikeln aus dem Lagerbestand kundenindividuell kommissioniert. Ist ein Auftrag vollständig, gehen alle Artikel in die Verpackung, wo sie versandfertig gemacht werden. Die Lieferung wird dann noch am gleichen Tag an den Kunden verschickt.

Bei einer geplanten Artikelanzahl von ca. 450.000 SKU im Bestand und mehr als 20.000 Versandpositionen täglich, ist dieser komplexe Prozess ohne Automatisierung nur sehr schwer umsetzbar. Generell ist Automation jedoch kein Muss. Auch wir haben für ca. 250.000 SKU auf eine 4-stöckige Fachbodenregalanlage der Firma SSI SCHÄFER gesetzt, innerhalb derer wir weiterhin manuell arbeiten. Allerdings ist dieser Lagerbereich in jeder Etage an die Fördertechnik angebunden, sodass die Ware automatisch von und zum Lagerbereich befördert wird.

SSI SCHÄFER: Und wie sehen die weiteren Schritte im Zuge dieses Projekts aus?

JG: Die Montagearbeiten im Logistikzentrum gehen gut voran. Die koordinierte Prozesssteuerung der Materialflüsse übernimmt die Logistiksoftware WAMAS®. Generell wird der Aufbau der Automatisierung Ende Oktober abgeschlossen sein. Danach folgen die Testphase und Inbetriebnahme sowie der Go-Live der kompletten Anlage im März 2020.

SSI SCHÄFER: Ein sehr interessanter Einblick. Vielen Dank, Herr Gonnermann.

SSI SCHÄFER - Imagefilm

Verlässlichkeit und Vertrauen sind heute mehr denn je Kern für die Entscheidungsfindung und in Partnerschaften. Für SSI SCHÄFER als Familienunternehmen ist es Teil der DNA, ein verlässlicher und zukunftsorientierter Partner für Kunden zu sein, sowohl für kleine und mittelständische Unternehmen als auch für Konzerne. Die Unternehmenstagline „Think Tomorrow.“ fasst den Innovationsgeist und den Ehrgeiz zusammen, für Kunden ein vertrauenswürdiger, langfristiger Partner zu sein. Das sind die Grundwerte, dafür steht SSI SCHÄFER.

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