Zwischen Automatisierung und Flexibilität: Wohin entwickeln sich Lagerlifte?
Wie entwickeln sich Anforderungen an moderne Lagerlifte in der Intralogistik? Im Gespräch mit Marvin Meyke, Chefredakteur der materialfluss, gibt Benjamin Höller, Leiter Dynamische Systeme Deutschland bei SSI SCHÄFER, Einblicke in aktuelle Trends rund um Automatisierung, Effizienz und Systemzuverlässigkeit und zeigt, welche Rolle Lagerlifte im Materialfluss übernehmen.
Wie haben sich die Anforderungen an moderne Lagerlifte in der Intralogistik in den letzten Jahren weiterentwickelt?
Was sind dabei die Tendenzen bei der Automatisierung? Lässt sich erkennen, ob sich der Markt eher in Richtung teilautomatisierter Lösungen oder hin zu vollständig automatisierten Systemen bewegt?
Bei der Automatisierung sehen wir eine klare Entwicklung – aber keine, die ausschließlich in Richtung vollständig automatisierter Systeme geht. Vollautomation ist vor allem dann sinnvoll, wenn entsprechende Rahmenbedingungen gegeben sind. In solchen Fällen kommen jedoch oft auch andere Systemlösungen als klassische Lagerlifte zum Einsatz. Wenn man jetzt aber in den Bereich der Lagerlifte blickt, eröffnet Automatisierung natürlich neue Möglichkeiten, die man im rein manuellen Betrieb nicht hat. Zum Beispiel die Möglichkeit, Pufferlager zu gestalten und bestimmte Prozesse über Nacht ablaufen zu lassen, ohne dass Personal vor Ort sein muss. Lagerlifte kommen auch oft in Bereichen zum Einsatz, wo man ad hoc mal eingreift. Also sprich: Ich habe einen regelmäßig wiederkehrenden Prozess, wie eine Produktionsbeschickung oder den Versand. Gleichzeitig gibt es jedoch zusätzliche, teils kurzfristige Zugriffe, zum Beispiel durch die Wartungsabteilungen oder den internen Service. Der Markt wird sich aus meiner Sicht in Richtung Automatisierung entwickeln, wenn auch nicht zu 100 Prozent. Ich gehe davon aus, dass es letztlich auf einen Mischbetrieb hinausläuft: Prozesse werden dort automatisiert, wo es klaren Nutzen bringt.
Gibt es typische Herausforderungen in der Branche, wie zum Beispiel den Fachkräftemangel, die dabei für die Entwicklung auch eine Rolle spielen?
Wie trägt der SSI LOGIMAT ® dazu bei, die Lagerkapazität besser zu nutzen?
Ein großer Vorteil des SSI LOGIMAT ist, dass er die gesamte Raumhöhe nutzt. Das lässt sich zwar auch mit einer Regalbühne erreichen, allerdings entstehen dort zusätzliche Wege und die Frage, wie man Ware aus den oberen Ebenen effizient nach unten bringt. Beim Lagerlift kommt die Ware dagegen direkt auf die Ebene, auf der sie benötigt wird – also nach dem Ware-zur-Person-Prinzip. Hinzu kommt beim Lagerlift die Möglichkeit, stark zu verdichten – sowohl durch die Konstruktion selbst als auch durch die Software. So sorgt die automatische Tablarhöhenerkennung dafür, dass sich die Lagerplätze optimal an die eingelagerten Waren anpassen. Dadurch lässt sich auch in der Fläche deutlich dichter lagern. Ein weiterer Punkt, den man oft unterschätzt, sind die Laufwege zwischen den Regalen: Wenn ich einen Lagerlift habe, in dem Ware lagert, die sonst auf zwei, drei oder vier Regalzeilen verteilt wäre, benötige ich nicht mehr all diese Zugriffswege. Mit einem Lagerlift reduziert sich der Bewegungsbereich auf den Arbeitsbereich des Lifts – das spart Zeit und macht die Prozesse deutlich effizienter. Man kann schon sagen, dass bis zu 75 Prozent der gesamten Lagerfläche gespart werden können - durch die Verdichtung, den Wegfall der Laufwege, die Nutzung der Raumhöhe und weitere Maßnahmen. In manchen Fällen sind sogar noch höhere Einsparungen möglich.
Welche zusätzlichen konstruktiven Anpassungen sind bei einem Lagerlift erforderlich, um ihn erdbebensicher zu machen, im Vergleich zur Standardausführung?
Dann ist das Thema Nachrüstung in dem Fall überflüssig, oder?
Man kann einen Lagerlift theoretisch sogar nachrüsten. Zum Beispiel, wenn Geräte umziehen - bei Standortverschiebung oder Standortöffnung im Erdbeben-Zonenbereich. Das sind konfigurierbare Standardprodukte. Das heißt, wir haben ein Standardgerät, was dann sehr kundenindividuell konfiguriert werden kann. Das betrifft auch die Erdbebenzonen. In der Regel ist aber eine Nachrüstung nicht erforderlich, weil der Lagerlift bereits für den jeweiligen Einsatzort ausgerüstet geliefert wird. Wenn ein Umzug anstehen würde von einer Zone, wo eben keine Erdbebenlasten gefordert sind in eine Erdbebenzone, ist dies schon möglich.
Welche Rolle spielt die Bauweise des Lagerlifts für Stabilität, Laufruhe und Ausfallsicherheit?
Unsere Bauweise ist auf Basis unserer eigens gefertigten Profile und dadurch bereits sehr robust. In geeigneten Räumen kann der Lagerlift sogar ohne Außenverkleidung installiert werden. Die stabile Grundkonstruktion ermöglicht es außerdem, mit wenigen Verstrebungen auszukommen und dadurch in der Regel mehr Lagertablare unterzubringen. Auch eine Befestigung von Bühnen oder Hebehilfen direkt am Lagerlift ist durch unsere Bauweise möglich. Ein wesentlicher Bestandteil ist der schräg verzahnte Zahnstangenantrieb. Er führt den Elevator präzise, fängt Momentbelastungen zuverlässig ab und sorgt dafür, dass der Lagerlift ruhig und exakt in seine Position fährt. Diese Genauigkeit ist wichtig für die automatische Warenhöhenerkennung, die Tablarhöhen im 25 mm Raster erkennt und verschleißarm einlagert. Das erhöht sowohl die Bedienfreundlichkeit als auch die Lebensdauer des Systems – ein Punkt, der im Hinblick auf die langfristigen Gesamtkosten für viele Unternehmen immer bedeutender wird.
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