Das digitale Lager - Teil 3/4

Digitale Unterstützung

Lagerstrategien

Lagerverwaltungssysteme helfen durch Routenfindung die Wege zwischen den Einlager- und Entnahmepunkten zu minimieren. Durch Parameter können unterschiedliche Strategien angewendet werden, um die Effizienz zu steigern bei gleichzeitiger korrekter Behandlung der Ware. So kann der Übervorrat einer Ware in weniger zugänglichen Bereichen über Kopf gelagert und durch wenige Nachschubbewegungen an einen leicht erreichbaren Kommissionierplatz gebracht werden, an dem die viel häufigeren Entnahmen für die kleinteiligeren Kundenaufträge stattfinden. In der Einlagerstrategie kann das Lagerverwaltungssystem sicherstellen, dass Lager- und Kommissionierplatz einer Ware sich in unmittelbarer Nähe zueinander befinden. Eine andere Strategie wird dann angewandt, wenn die Ware in einem automatischen Lagerteil gelagert wird und für die Kommissionierung dann zur Entnahmestelle gebracht wird. Erfolgt die Entnahme dort manuell, wird diese Art der Kommissionierung als Ware-zur-Person bezeichnet.

Strategien, die oft zum Einsatz kommen und die durch die digitale Lagerverwaltung unterstützt werden, sind unter anderem:

  • die Lagerung nach ABC-Werten, in der schnelldrehende Artikel prominent, d.h. schnell und leicht erreichbar, platziert werden,

  • leichte Artikel oben auf schwere Artikel zu legen und dies bereits bei der Einlagerung und der Kommissionierplatzvergabe so zu berücksichtigen, dass die Kommissionierung effizient abläuft,

  • Artikel bestimmter Auftragsgruppen in einem manuellen Lagersystem zusammenzufassen, um den anzulaufenden Bereich des Kommissionierauftrags möglichst schmal zu halten, oder sie auseinanderzulagern, wenn ein automatisches Lagersystem verwendet wird, um eine möglichst gleichmässige Auslastung der Geräte zu erzeugen.

Auftragsfreigaben und - start

Kundenaufträge werden im Lagerverwaltungssystem gesammelt und nach ihren Bereitstellungsterminen und -plätzen, die meist den Ausliefertouren entsprechen, in Gruppen zusammengefasst. Je nach Bereich, in dem die Ware der Aufträge lagert, werden die Aufträge gesplittet und können danach wieder gebündelt werden. Diese Bündel können direkt oder in einem mehrstufigen Prozess in sogenannten ‚Batches‘ bearbeitet werden.

Die Auftragsfreigabe erfolgt dann, wenn der Leitstand oder eine regelbasierte Automatik entscheidet, dass ein Auftrag in der nächsten Zeit bearbeitet werden soll. Meist wird die Freigabe unter Zuhilfenahme der Information zum Bereitstellungstermin und des über die Auslastung der Mitarbeiter und der Anlage rückgerechneten spätesten Startzeitpunkts durchgeführt. Die Freigabe erfolgt somit vor dem Auftragsstart, der dann erfolgt, wenn ein Auftrag in Bearbeitung genommen wird.

Beim Auftragsstart soll systemgestützt darauf geachtet werden, dass immer genügend Arbeitsvorrat vorhanden ist, um eine gleichmässige Auslastung der Mitarbeiter und der maschinellen Ressourcen zu gewährleisten. Werden zu viele Aufträge gleichzeitig gestartet, kann dies besonders in automatischen Systemen, die eine hohe Leistung bei gleichmässiger Auslastung zugrunde legen, aber auch bei manuellen Systemen zu Stausituationen führen. Werden bei vorhandenem Arbeitsvorrat zu wenige Aufträge freigegeben, so dünnt der Arbeitsfluss aus und vorhandene Mitarbeiter und Ressourcen werden nicht ausgelastet.

Prozessindikatoren und Visualisierung

Digitale Systeme können den Leitstand unterstützen, indem Prozessindikatoren, wie die aktuelle Systemauslastung, die Verwendung der zur Verfügung stehenden Ressourcen und die Arbeitsleistung des Systems angezeigt und verglichen werden. Eine wichtige Kennzahl ist die Anzahl der noch zu erledigenden, der Fertigstellungsgrad der laufenden und die Anzahl der bereits durchgeführten Aufträge. Anhand dieser Zahlen kann abgeschätzt werden, welche Leistung es noch bedarf, um das gesteckte Ziel in der Auftragsbearbeitung zu erreichen.

Bei automatischen Anlagen kann auch die gesamte Automatik in einem „Supervisory control and data acquisition“ (SCADA) genannten Modul visualisiert werden, um den Leitstand bei der Stauvermeidung und der Fehlersuche zu unterstützen. Integrierte Systeme erlauben hier einen Drilldown in die einzelnen Elemente der Anlage und über das Lagerverwaltungssystem den Zugriff auf die dahintersteckenden Einheiten der Ware in Lagerung und Transport.

Über den Autor


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Peter Totz ist Director Business Consultancy bei SSI SCHÄFER.

Er hat seine Karriere in Graz als Projektingenieur, Datenanalyst und Simulationsspezialist begonnen.  Mit Zwischenschritten in der Produktionsplanung und als Logistikberater war er lange Jahre als Seniorberater und Projektleiter tätig. Später war er für das Business Development in Lateinamerika zuständig, bevor er in die global tätige Gruppe für Business Consultancy gewechselt hat, die er derzeit leitet.

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