Wenn Fläche zum Engpass wird: Wie modulare Robotik bestehende Lager zukunftssicher macht
Im ersten Teil unserer Blogserie stand der schrittweise Einstieg in die Automatisierung im Fokus. Doch Automatisierung allein löst nicht jedes Problem – insbesondere dann nicht, wenn der verfügbare Raum zum limitierenden Faktor wird.
Modulares Systemdesign als Grundlage für flexible Erweiterung
RackBot Systeme von SSI SCHÄFER setzen genau hier an. Sie basieren auf einer Kombination aus statischen Standardregalsystemen und autonomen mobilen Robotern. Diese lassen sich problemlos in bestehenden Lagerhallen implementieren, komplexe bauliche Eingriffe sind nicht erforderlich. Regale und Bots können unabhängig voneinander ergänzt und somit an veränderte Bedingungen angepasst werden. Das kann auch ohne Stillstand des Systems geschehen. Durch dieses modulare Prinzip lassen sich bestehende Lagerflächen gezielt erschließen und optimal nutzen.
Ein weiterer Vorteil: Auch wenn die Gassen strukturell fest ausgeführt sind, ist das Gesamtlayout nicht vorgegeben. Flexible Designs, etwa in L‑Form oder angepasst an unregelmäßige Gebäudestrukturen, ermöglichen eine passgenaue Integration selbst in anspruchsvollen Bestandsgebäuden.
Maximale Raumausnutzung durch Höhe, Tiefe und intelligente Belegung
In konkreten Anwendungen lassen sich so bis zu 43 Behälter pro Quadratmeter realisieren.
Gleichzeitig bleibt das System flexibel:
Keine ABC-Abhängigkeit
unterschiedliche Behältergrößen
Kartons (direkt handhabbar, ohne Umpacken)
Trays
Die Mischung verschiedener Ladeeinheiten innerhalb eines Systems ist grundsätzlich möglich. Behälter können zudem direkt aus dem System entnommen und weiterverarbeitet werden, ein klarer Vorteil für End‑to‑End‑Prozesse ohne zusätzliche Pufferstufen.
Full‑Roaming‑Robotik statt starrer Leistungsgrenzen
Ein zentrales Unterscheidungsmerkmal gegenüber klassischen, gassenbasierten Automatisierungslösungen ist die Full‑Roaming‑Fähigkeit der RackBot Systeme. Jeder Bot hat im gesamten Lager Zugriff auf jeden Behälter. Dadurch entfällt die in konventionellen Systemen übliche Kopplung zwischen Gassenleistung und Lagerkapazität.
Die Vorteile sind klar:
kürzere Zugriffszeiten, auch bei hoher Systemauslastung
stabiler Durchsatz, selbst bei stark wechselnden Lastprofilen
hohe Zukunftssicherheit bei Sortiments‑, Profil‑ oder Prozessänderungen
Da RackBot Systeme nicht auf eine starre ABC‑Klassifizierung angewiesen sind, bleibt die Leistung auch dann konstant, wenn sich Artikelprofile, Umschlagshäufigkeiten oder Auftragsstrukturen verändern. Im Gegensatz zu stark zonenabhängigen Lösungen ermöglicht diese Architektur eine dauerhaft flexible und belastbare Prozessperformance.
Intelligente Sequenzierung – direkt im System
Die Sequenzierung der Aufträge erfolgt intelligent durch die Bots selbst. Ladungsträger werden innerhalb eines Auftrags strikt in der benötigten Reihenfolge an die Arbeitsplätze gebracht, ohne zwingenden Einsatz zusätzlicher Fördertechnik.
Das erhöht nicht nur die Prozesssicherheit, sondern verkürzt auch die Durchlaufzeiten deutlich.
Eilaufträge lassen sich besonders schnell abwickeln: In leistungsoptimierten Ausprägungen (z. B. RackBot System ELEVATE) steht ein benötigter Behälter innerhalb von 2 Minuten am Arbeitsplatz zur Verfügung.
RackBot Systeme lassen sich schrittweise und im laufenden Betrieb erweitern. Leistung entsteht nicht durch bauliche Veränderungen, sondern durch:
zusätzliche Roboter
weitere Arbeitsplätze
angepasste Betriebsstrategien
Das Regalsystem bleibt statisch, Layoutänderungen sind nicht erforderlich. So können Unternehmen ihre Leistungsfähigkeit schrittweise an wachsende Anforderungen anpassen, ohne ihre Infrastruktur von Beginn an auf zukünftige Zielgrößen auslegen zu müssen. Das schafft Investitionssicherheit und stellt einen entscheidenden wirtschaftlichen Vorteil dar.
Dass dieses Konzept auch in der Praxis überzeugt, zeigt die Erfolgsgeschichte von Desigual:
Mit 25 RackBots steigerte der Modekonzern seine Lagerperformance deutlich. Bis zu 650 Kartons pro Stunde und ein Durchsatz von 150.000 Einheiten pro Woche im Zweischichtbetrieb wurden realisiert. Gleichzeitig konnte die Implementierung in nur sieben Monaten von der Planung bis zum Go‑Live realisiert werden. Ausschlaggebend für diesen Performancegewinn ist das Zusammenspiel aus effizienter Flächennutzung, intelligenter Prozesslogik und der Möglichkeit, bestehende Strukturen gezielt weiterzuentwickeln.
Über die Autoren:
Markus Külken
Johannes Möhrlein